Satire darf alles. Ausser: Keine Satire sein.

Nicht der Satiriker provoziert, ich arbeite frei und ohne Verantwortung. Satire provoziert vielleicht manchmal. Das ist ähnlich wie bei Helene Fischer. Ich höre von manchem, sie nervt. Das stimmt nicht; ausser vielleicht Florian Silbereisen manchmal. Aber mich nicht. Schlimmstenfalls nervt ihre Musik. Wobei doch meist ein Abschaltknopf in der Nähe ist. Allenfalls im Kaufhaus oder im Frühstückszimmer eines Hotels kann es lästig werden, wenn man sich nicht entziehen kann.

Dem Terror der Humorlosen entgegenstellen

Fabian Lau - SatireAuch der Satire kann man sich meist entziehen: Ein Buch kann man liegen lassen, einen Artikel überschlagen, bei einem Fernsehbeitrag umschalten auf das Dschungelcamp. Auch bei der unfreiwilligen Konfrontation, mit einem Titelblatt am Zeitungskiosk etwa oder einem Plakat in der Fussgängerzone, kann man wegschauen und weitergehen; wie bei einem hilflosen Berber, der am Wegesrand liegt, da klappt das doch auch.

Und das muss Satire auch: Sich dem Terror der Humorlosen entgegenstellen mit einer sanften Erinnerung an das Prinzip des Christentums, dem Prinzip der Vergebung.

Der Vergleich mit Helene Fischer hinkt nicht: Satire ist wie Schlager, beides sind formulierte Schlaglichter, schlüssig auf den Punkt, aus unterschiedlichen Perspektiven zwar und zu unterschiedlichen Themen: Hier die Diskrepanzen der Weltgeschichte und die Möglichkeit anderer Wahrheiten, dort die Eindrücke einer leidenschaftlichen Nacht.

Auf einer längeren Tournee mit meinem ersten Chansonprogramm: WILLKOMMEN AUF DER INTENSIVSTATION, – meine Güte, ist das lange her – es war in Stuttgart: Nach dem Auftritt bahnt sich eine Frau in meine Garderobe, ignoriert meinen für ein Autogramm gezückten Schreibstift und raunt mir ins Ohr: Sie wünsche, alles, was in meinen Lieder passiert, möge mir selbst einmal zustossen. Dann schleicht sie sich, ohne mir Gelegenheit zur Entgegnung zu geben: Ich hätte sie gerne auf ihre Geistesverwandtschaft mit der IS hingewiesen. Aber egal, die gab es damals ja auch noch gar nicht.

Auch gut: Krankenpflege

Wer mit Satire nicht umzugehen vermag, dem empfehle ich meine andere große Leidenschaft: Die Krankenpflege. Krankenpflege ist das Gegenteil von Satire. Ich entscheide nicht frei. Wenn nicht nach Arztanordnung, dann nach Laborwerten, Standards und klinischem Bild. Für jeden Handgriff, den ich tue – und vor allem, den ich nicht tue -, zeichne ich mit meiner Unterschrift verantwortlich (Verantwortung, zur Erinnerung: engl. responsibility – to be able to response – also: Die Fähigkeit zu antworten; was heisst: Bei ungewollten Konsequenzen werden mir Fragen gestellt, die ich beantworten kann.) Hilfreich immer: Nachdenken. Ob Krankenpflege, Satire oder Terroranschlag: Fakten sammeln, Informationen auswerten, diesen nach denken. Dann danach handeln.

Aber nicht vergessen: Du sollst nicht morden.